Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg
Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts

FORUM - Schulstiftung

Schöpfungsmythos und Goldenes Zeitalter - Unsere Nachkriegsgeschichte als Heldenepos

Dr. Dirk Schindelbeck

Der folgende Text ist in mehrfacher Hinsicht ein Experiment. Sein äußerer Anlass ist aktuell: die 60. Wiederkehr der Beendigung des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945. Der Text ist in Form eines epischen Gedichts geschrieben: Diese literarische – freilich immer wieder leicht satirisch verfremdete – Gattung eines Nationalepos wird jedoch pädagogisch genutzt. Dem fiktional strukturierten Obertext werden in Form von Fußnoten sachlich-wissenschaftliche, non-fiktionale Erläuterungs- und Quellentexte entgegengesetzt. Dies reißt verschiedene Fragen auf: Was ist Fiktion, Mythos, Selbstverständnis und was Realität und historische Wahrheit, und wie entsteht aus diesem Material ein bzw. unser kollektiv abrufbares Geschichtsbild? Insofern sind sowohl der Geschichtsunterricht (Zeitgeschichte, deutsch-deutsche Geschichte seit 1945, Probleme des Geschichte-Schreibens usw.) als auch der Unterricht in neuen (deutsch) und alten (latein; altgriechisch) Sprachen (Versepik; Helden- bzw. Nationalepos, Konstituenten eines Mythos, Hexameter, stehendes Beiwort usw.) sowie der Religionsunterricht (antike und christliche Schöpfungsmythen; Konstitution kollektiver Identität usw.) angesprochen.

Hören wir also das Lied von großen Zeiten und Wundern,
Welche in diesem, unserem Vaterlande geschahen,
Als noch Kinder waren die heutigen Frauen und Männer,
Andre noch gar nicht geboren. Doch allen töne die Kunde,
Die da wohnen in fleißigen Städten, in sauberen Dörfern,
An der See, in den Bergen, an Flüssen im Norden und Süden.


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