… mit Raphael Schlotter, Schulleiter an den St. Ursula Schulen Freiburg-Wiehre und Antonia Falk, Schulleiterin an den Klosterschulen Unserer Lieben Frau in Offenburg.
Wie ging es nach dem Dalton-Kongress für Ihre Schule weiter?
Raphael Schlotter: Der Dalton-Kongress war für unser Kollegium ein wichtiger Impulsgeber – ebenso wichtig war jedoch die Phase danach. In den rund anderthalb Wochen zwischen Kongress und GLK haben wir bewusst Raum für Austausch, Reflexion und Klärung geschaffen.
In den großen Pausen installierten wir im Lehrerzimmer das „blaue Sofa“ – ein niedrigschwelliges Gesprächsangebot, das intensiv genutzt wurde. Ergänzend dazu gab es eine Stellwand mit Moderationskärtchen, auf der Fragen, Anmerkungen und Rückmeldungen gesammelt werden konnten.
Transparenz spielte dabei eine zentrale Rolle: Lernpläne sowie Rückmeldungen von Eltern zum Kongress wurden ausgehängt und für alle zugänglich gemacht. Auf dieser Grundlage wurde eine Beschlussvorlage erarbeitet. Zudem fand in einer großen Pause eine Mini-Dienstbesprechung statt, um letzte offene Fragen gemeinsam zu klären und ein gemeinsames Verständnis sicherzustellen.
Antonia Falk: Bereits seit dem letzten Schuljahr ist personalisiertes Lernen ein Thema in unserem Kollegium. Zur Vorbereitung auf den Kongress in Ettenheim hat unsere Schulentwicklungsgruppe dem Kollegium in einem offenen Austausch die Möglichkeit geboten, sich über die Grundideen von Dalton zu informieren und darüber ins Gespräch zu kommen. Der Kongress mit den Möglichkeiten des Kontakts zu Schülerinnen und Kollegen und Kolleginnen der Schule in Alsdorf, aber auch zu anderen Kollegien der Stiftungsgemeinschaft, ließ aus Ideen bereits Vorstellungen werden. In den Wochen danach stand unsere Schulentwicklungsgruppe, ähnlich wie Herr Schlotter schon erzählt hat, in einer Info-Lounge im Lehrerzimmer zu Gesprächsangebote für Informationen oder Nachfragen bereit.
Darüber hinaus haben wir einen weiteren Nachmittag mit Moderation organisiert, an dem die Kolleginnen und Kollegen erneut Fragen stellen, aber auch Befürchtungen äußern konnten. Ziel war, dass alle eine fundierte Meinung bilden konnten.
Welche Schritte sind Sie in der GLK gegangen?
Raphael Schlotter: In der GLK wurden die Ergebnisse aus der Vorbereitungsphase gebündelt und gemeinsam weitergeführt. Die erarbeitete Beschlussvorlage wurde vorgestellt, diskutiert und weiter präzisiert. Ein wichtiger Bestandteil war zudem die Information durch die Schülersprecherin, die die Perspektive der Schülerschaft eingebracht und zentrale Rückmeldungen zusammengefasst hat. Dadurch wurde deutlich, dass die Weiterentwicklung nicht nur aus pädagogischer Sicht, sondern auch im Dialog mit den Lernenden gedacht wird. Die Abstimmung wurde digital mit Microsoft Forms durchgeführt.
Antonia Falk: Im Anschluss an den Austausch erarbeiteten die Schulentwicklungsgruppe und die Schulleitung gemeinsam eine tragfähige Beschlussvorlage, die möglichst alle Themen der Austausche berücksichtigt und auch die Schülerinnen in den Blick nimmt. In der GLK selbst war nochmal Raum für einen kurzen Austausch des Kollegium und letzte Fragen und die Abstimmung erfolgte anonym über vorbereitete Stimmzettel.
Warum ist es Ihnen wichtig, einen gemeinsamen Weg mit anderen Schulen zu gehen?
Raphael Schlotter: Die Vernetzung mit den anderen Stiftungsschulen ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie ermöglicht den Austausch von Best Practices und bewährten Konzepten, vermeidet parallele Einzelentwicklungen und fördert eine konzeptionell abgestimmte Weiterentwicklung. Durch den Austausch von Lernplänen und Erfahrungen entsteht eine spürbare Arbeitserleichterung für alle Beteiligten. Gleichzeitig profitieren wir von unterschiedlichen Perspektiven und können unsere eigenen Ansätze kontinuierlich reflektieren und verbessern.
Antonia Falk: Auch für unser Kollegium war die Aussicht auf Vernetzung mit anderen Stiftungsschulen einer der wichtigsten Aspekte für das recht eindeutige Abstimmungsergebnis. Der Austausch mit anderen Kollegien über verschiedene Gremien und Fachschaften ermöglicht Synergien, die den Lehrkräften und Schülerinnen zu Gute kommen. Austausch von Materialien, Arbeitserleichterungen und Reflexion der eigenen Perspektive hat Herr Schlotter bereits erwähnt. Ich möchte unbedingt den positiven Aspekt hinzufügen, der durch Arbeiten in einer Gemeinschaft mit selbem Ziel entsteht und so beflügeln kann.
Warum sind Ihrer Meinung nach gemeinsame Standards wichtig?
Raphael Schlotter: Gemeinsame Standards sind die Voraussetzung für einen tragfähigen Austausch zwischen den Stiftungsschulen. Sie schaffen Vergleichbarkeit, Verlässlichkeit und Transparenz. Vor allem dienen sie der Qualitätssicherung: Gute Ideen, Materialien und Konzepte können nur dann sinnvoll geteilt und weiterentwickelt werden, wenn ein gemeinsames Verständnis von Qualität und Zielsetzung besteht. Auf dieser Basis wird die Zusammenarbeit zwischen den Stiftungsschulen nicht nur möglich, sondern nachhaltig wirksam.
Antonia Falk: Die Zusammenarbeit mit anderen Schulen kann nur gelingen, wenn sich alle auf gewisse Mindeststandards einigen. So ist es möglich, wie Herr Schlotter schon meinte, dass Fachschaften und andere Gruppierungen schulübergreifend Unterrichtsumsetzungen teilen und dann auf die jeweils eigenen Bedürfnisse anpassen und weiterentwickeln können. Auf diese Weise lassent sich ein großer Pool an Lernplänen und Materialien erstellen und darüber hinaus Informationen und Erfahrungen austauschen.