Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich hoffe, Sie haben das neue Schuljahr gut begonnen. Nach den Sommerferien geht es bekanntlich recht schnell: Neue Schülerinnen und Schüler kommen an unsere Schulen, es gibt neue Stundenpläne, erste Elternabende finden statt – und was im Juli noch weit entfernt schien, ist schon wieder ein Alltag mit recht hoher Taktzahl.
Nicht nur in unseren Schulen ging es in den vergangenen Wochen schnell von null auf hundert. Auch politisch ist derzeit einiges in Bewegung. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und die Debatten darüber beschäftigen derzeit viele Menschen und machen auch vor unseren Klassenzimmern nicht halt.
Eine Frage treibt dabei viele Lehrkräfte um: Wie politisch dürfen wir eigentlich sein? Und was bedeutet Neutralität in der Schule?
Meine Antwort darauf ist zunächst einfach: Lehrkräfte müssen nicht so tun, als hätten sie keine Haltung. Gerade an unseren Schulen wäre das weder glaubwürdig noch unserem Auftrag angemessen.
Als katholische Schulen orientieren wir uns am christlichen Menschenbild. Die Überzeugung, dass jedem Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Weltanschauung oder Lebensgeschichte die gleiche Würde zukommt, steht im Zentrum unseres Handelns. Sie prägt unseren Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen und auf die Fragen, die derzeit diskutiert werden.
Das bedeutet nicht, dass Schule ein Ort parteipolitischer Positionierung sein soll. Im Gegenteil: Schule lebt von der offenen Diskussion, vom Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und vom gemeinsamen Ringen um gute Antworten. Junge Menschen sollen lernen, Fragen zu stellen, Argumente zu prüfen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
Gleichzeitig gibt es Grenzen. Dort, wo Menschen herabgewürdigt, ausgegrenzt oder gegeneinander ausgespielt werden, können und wollen wir nicht neutral sein. Nicht weil wir eine Partei unterstützen oder ablehnen, sondern weil unser Auftrag als katholische Schulen über parteipolitische Kategorien hinausgeht. Haltung zu zeigen und Diskussion zu ermöglichen, ist kein Widerspruch. Beides gehört zu Schule.
Unsere Schulen sollen Orte sein, an denen kontroverse Fragen besprochen werden können, ohne dass der Respekt voreinander verloren geht. Dazu braucht es Offenheit, Gesprächsbereitschaft und manchmal auch den Mut, klar Position zu beziehen.
Ich weiß, dass Sie diese Aufgabe jeden Tag mit Augenmaß und großer Professionalität wahrnehmen. Dafür danke ich Ihnen herzlich.
Vielfältig sind auch die Themen dieses Infobriefs. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.
Viele Grüße
Patrick Krug



