„Aufstehen ins Leben“ – Erzbischof Stephan Burger besucht das St.-Dominikus-Gymnasium.

Schulstiftung Freiburg EB Diskussion

Einen besonderen Wortgottesdienst haben in der vergangenen Woche rund 400 Schülerinnen des St.-Dominikus-Gymnasiums in der Kirche St. Stephan in Karlsruhe gefeiert. Für den Freiburger Erzbischof war es der erste Besuch an der Schule seit Beginn seiner Amtszeit. Der Gottesdienst stand unter dem Motto „Aufstehen ins Leben“. Der Erzbischof besucht jedes Jahr eine Schule der Schulstiftung, dieses Mal war Karlsruhe an der Reihe.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Gleichnis von der Heilung der gekrümmten Frau aus dem Lukasevangelium. Die Geschichte erzählt von einer Frau, die lange Zeit unter einer Last gebückt lebte – bis Jesus sie aufrichtete. Schulpfarrer Erhard Bechtold erklärte: „Wer an Gott glaubt, spürt seine Hand im Rücken – Gott richtet auf, Menschen können aufstehen. Belastendes darf losgelassen werden, seien es Sorgen, Erwartungen von außen oder der Druck durch soziale Medien.“

Damit die Schülerinnen den Erzbischof besser kennenlernen konnten, durften sie Fragen stellen. „Wie haben Sie Gott kennengelernt?“ oder „Wo sehen Sie Gott? Aber auch Fragen nach seinem Alltag und seinem Weg zum Priester beantwortete er bereitwillig.

Das Thema passte auch gut zum neuen Schulmotto „Offen für Neues – offen für dich“, das Schulleiter Valentin Schneider im Gottesdienst vorstellte. Er erläuterte, in welchen Bereichen sich die Schule öffnen möchte: für neue Lernformen, für digitale Lernwege und ab dem kommenden Schuljahr auch für alle Geschlechter.

Wie diese Ideen konkret im Schulalltag umgesetzt werden, sah sich der Erzbischof bei einem Rundgang durch das Schulhaus selbst an. Begleitet wurde er dabei von Stiftungsdirektor Patrick Krug sowie Stadtpfarrer Markus Miles. Dabei erhielt Burger Einblicke in die pädagogische Arbeit und das vielfältige Leben der Schulgemeinschaft.

Auf dem Programm standen zahlreiche Begegnungen mit Schülerinnen: Fünft- und Sechstklässlerinnen berichteten beispielsweise von der sogenannten Dominikus-Zeit, in der sie seit diesem Schuljahr selbstorganisiert lernen. Die Schulsozialarbeitin stellte ihre Angebote vor, ebenso die Streitschlichterinnen, die bei Konflikten zwischen Schülerinnen vermitteln. Die Schulsanitäterinnen demonstrierten, wie sie im Notfall Erste Hilfe leisten. „Ich wünsche euch, dass ihr möglichst selten zum Einsatz kommt“, sagte er schmunzelnd zu ihnen. Auch die Arbeit der Umweltmentorinnen interessierte ihn. Für den Erzbischof gehört dieses Engagement unmittelbar zum christlichen Auftrag: die Bewahrung der Schöpfung und der Einsatz für eine gerechte Welt sind für den Misereor-Bischof wichtige Themen.

Den Abschluss des Besuchs bildete eine Fishbowl-Diskussion in der Aula. Schülerinnen des Leistungsfachs Religion hatten das Format vorbereitet. In einem kleinen Innenkreis diskutieren einige Teilnehmerinnen mit dem Erzbischof, während der Außenkreis zuhörte. Zwei freie Stühle ermöglichten jederzeit einen Wechsel in die Debatte.

Unter dem Titel „Was glaubst du denn?“ ging es in drei Thesen um Glauben, Kirche und gesellschaftliche Fragen. Die Diskussion am Mädchengymnasium verlief lebhaft. Unter anderem wurde gefragt, wie die Kirche für junge Frauen glaubwürdig bleiben kann, wie Frauenperspektiven stärker berücksichtigt werden und wie ihr Sachverstand sowie ihre Kompetenzen – nicht nur in Verwaltung und Seelsorge – besser genutzt werden könnten.

Auch der Dialog mit nichtreligiösen Menschen in einer pluralen Gesellschaft spielte eine Rolle. Dabei kamen auch schwierige Themen zur Sprache, etwa Schwangerschaftsabbruch oder die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Burger machte deutlich, dass sich in der Kirche bereits einiges bewege, Veränderungen jedoch Zeit bräuchten. Die Kirche sei wie ein großer Tanker, sagte er – nicht besonders wendig. Eine echte Veränderung brauche vor allem eine neue Haltung und Gesinnung, und diese entstehe nicht über Nacht. Dankbar zeigte er sich für Rückmeldungen zum Bischofspapier zur Gendersensibilität, die er gerne mit nach Freiburg nehmen werde.

„Wir haben gezeigt, wer wir sind – eine bunte, offene, freundliche und zugewandte Schule auf einem guten Weg in die Zukunft“, zog Valentin Schneider Bilanz.

Der Gedanke des Gottesdienstes – „Aufstehen ins Leben“ – gelte dabei auch für die Schule selbst. Viele neue Themen stünden an: neue Lernformen, Digitalisierung und die Öffnung für alle Geschlechter.